„Hinter dem Supermarkt, Geschäft links“: wie aus solchen Einträgen ein Punkt auf der Karte wird
Eine Adresse in einer Datenbank sieht selten wie eine Adresse aus. So liest unser Modul zur Geolokalisierung die schwierigsten Adressen Europas, und das kommt dabei heraus.

Eine Adresse in einer Datenbank sieht selten wie eine Adresse aus. Manchmal ist sie eine Wegbeschreibung: „Hinter dem Supermarkt, Geschäft links“. Manchmal ist sie der Name einer griechischen Insel in zwei Schreibweisen, beide mit Tippfehler. Manchmal stehen nur Postleitzahl und Ort da, ohne Straße. Oder ein Haus, das die Einheimischen über den Nachnamen des Eigentümers identifizieren und nicht über eine Hausnummer. So sehen Kundendaten in vielen Märkten im Alltag aus.
Damit ein Hersteller seine Verkäufe auf der Karte sieht, ohne dieselbe Verkaufsstelle doppelt zu zählen, muss jeder dieser Einträge zu einem konkreten Punkt werden. Das ist die Aufgabe von GEO4, unserem Geolokalisierungsmodul. Wie das funktioniert, zeigen wir an einigen der schwierigsten Adressmärkte Europas.
Jedes Land produziert seine eigene Sorte kaputter Adressen
„Schlechte Adresse“ ist kein einheitliches Problem. Das Chaos hat in jedem Land eine andere Form:
- Irland — viele Orte haben im Alltag keine offizielle Adresse: häufig ist der Eircode die einzige verlässliche Kennung, und ein Haus kann vor Ort über den Nachnamen des Eigentümers bekannt sein.
- Italien — „località“, inoffiziell benannte Gebiete, die auf keiner Karte auftauchen, und Adressen entlang von Nationalstraßen mit Kilometerangabe statt Hausnummer.
- Bulgarien — manche Adressen sind auf fast nichts reduziert (Postleitzahl und Ort). Andere sind mit Beschreibung überfrachtet: „Hinter dem Supermarkt, Geschäft links“.
- Griechenland — Inseln und Touristenorte ohne Straßennamen, Ortsnamen in abweichender grammatischer Form oder abgekürzt, und einzelne Einträge, die auf mehrere leicht verwechselbare Orte in der Nähe verweisen.
- Frankreich — ein Ortsname in mehreren Schreibweisen, CEDEX-Adressen, bei denen der Code die Straße ersetzt, fehlende Hausnummern.
Deshalb reicht ein einziger universeller Algorithmus nicht aus. Eine griechische Adresse ist auf ganz andere Weise unbrauchbar als eine irische.
Wie GEO4 arbeitet
Die Engine im Zentrum des Moduls haben wir selbst gebaut. Sie erkennt die einzelnen Bestandteile einer Adresse und benennt sie: Ort, Straße, Hausnummer, Postleitzahl. Aus einer scheinbar zufälligen Zeichenfolge wird so eine geordnete Kette vom Land bis zur Hausnummer, auch wenn die Adresse unvollständig, falsch oder ungewöhnlich formatiert ist.
Zerlegt wird nach einem einheitlichen Verfahren. Die Regeln dagegen stimmen wir für jeden Markt einzeln ab, genau aus diesem Grund. Dafür gibt es die Konfigurationsebene: Wir legen die Regeln für ein Land fest und verbessern sie Schritt für Schritt, ohne Code neu zu schreiben und ohne auf das nächste Release zu warten. Meistens geht ein neuer Markt allein über die Konfiguration live. Braucht ein Markt mehr, etwa neue Regeln oder eine Erweiterung der Engine, bauen wir das. Wie viel Aufwand das kostet, hängt von der Komplexität des Marktes und der Qualität der Kundendaten ab.
Unser Adresswissen kombinieren wir mit externen Kartendiensten: Wir gleichen die Adresse mit der Karte ab und ergänzen, was fehlt, etwa die genaue Position oder die Region.
Die „4“ im Namen ist eine Generationsnummer: GEO4 ist die vierte Version unserer Geolokalisierungs-Engine. Jede Version entstand, weil die vorherige uns gezeigt hat, wo wir genauer werden können.
Aus schlechten Adressen fast der gesamte Sell-out
Für jeden Markt stellen wir zwei Werte nebeneinander: den Anteil der Adressen, die bereits vollständig und korrekt vorliegen, und den Anteil des Sell-outs, der am Ende der richtigen Verkaufsstelle zugeordnet ist. Der zweite Wert liegt in der Regel deutlich höher als der erste, weil die Engine aus einer unvollständigen oder fehlerhaften Adresse genug herausholt, um die Verkäufe korrekt zuzuordnen.
| Markt | Qualität der Eingangsdaten | Sell-out verortet |
|---|---|---|
| Frankreich | 46 % | 95 % |
| Italien | 52 % | 95 % |
| Irland | 61 % | 96 % |
| Griechenland | 39,8 % | 99 % |
| Bulgarien | 44 % | 92 % |
Der schwierigste dieser Märkte zeigt das gut: Weniger als 40 % der Adressen lagen vollständig und korrekt vor, der Rest war auf die eine oder andere Weise fehlerhaft. Trotzdem haben wir die Kunden verortet, auf die über 99 % des Sell-outs in diesem Markt entfallen.
Was der Kunde davon hat
Bessere Adressen bringen konkrete Ergebnisse:
Aus dem Chaos im Input machen wir ein einheitliches Format, Markt für Markt.
Dasselbe Geschäft wird nicht mehr mehrfach unter verschiedenen Einträgen gezählt.
Verkaufsstellen erscheinen im Bericht an ihrem tatsächlichen Standort.
Ein klares Bild davon, welche Verkaufsstellen der Distributor tatsächlich beliefert hat.
Niemand muss alle Datensätze von Hand den Orten zuordnen.
GEO4 ist Teil von Trade Data Hub. Diese Lösung standardisiert Marktdaten und reichert sie an, damit ein Hersteller seine Verkäufe über Distributoren klar und ohne Dubletten sieht. Mit dieser Architektur binden wir den nächsten Markt über die Konfiguration an.
Jeder Markt, den GEO4 heute liest, war für jemanden zuerst ein Rätsel. Monatelange Arbeit an griechischen Postleitzahlen, irischen Eircodes und bulgarischen Wegbeschreibungen, Diskussionen über Sonderfälle und immer neue Regeln, bis die Engine eine Adresse so liest wie eine ortskundige Person. Hinter dieser Arbeit stehen Namen, und die sollte man kennen:
Sollen Ihre Distributordaten bereits verortet ankommen?
Trade Data Hub vereinheitlicht den Sell-out der Distributoren über Märkte hinweg, damit Ihre Berichte echte Verkaufsstellen zeigen statt Adresszeichenfolgen.